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Umsonst ist nur der Tod–und der kost‘ das Leben

Oktober 3, 2011

“Hey Leute, ich suche ein Programm, das genau das tut, was ich will, und zwar ganz schnell, und absolut zu meiner Zufriedenheit, außerdem muss es genau so aufgebaut sein und absolut fehlerfrei. Bitte kostenlos und wenn ihr mir antwortet, bitte gleich mit Link”

Jeder, der in Ratgeberforen oder Ähnlichem unterwegs ist, kennt diese Art der Nachfrage. Bezahlen ist out, absolut energisch Leistung verlangen steht hoch im Kurs. Für die ehrliche Arbeit eines Softwareentwicklers wird nicht mehr gezahlt, dafür umso mehr erwartet. Selbiges gilt für die Communities, die sich die Mühe machen, solche Fragen trotz der offensichtlichen Utopie- dem Wunsch nach einem perfekten Programm für umsonst- zu beantworten.

Wehe, es genügt meinen Ansprüchen nicht

Eine solche Frage wird also in einem Forum gestellt. Sofort fangen mehrere eifrige und hilfsbereite Menschen, die vielleicht ein Tool kennen, das die gewünschte Aufgabe ausführen kann an zu googlen, bis es qualmt. Sie schreiben über das Programm, erklären womöglich noch Wort für Wort, wie das Tool zu bedienen ist, unterlegen ihre Posts mit Screenshots, überprüfen, dass sie auch ja keinen Mist schreiben und so weiter. Nach einer guten Viertelstunde haben sie ihren Post endlich fertig.
Man beobachtet nun den weiteren Verlauf der Diskussion, und muss enttäuscht lesen, dass der Fragesteller das nette kleine Programm sofort wieder in die Tonne gekloppt hat, weil er jede Einarbeitungszeit verweigert.
Außerdem ist das Tool eh schei*ße, weil es sowieso viel zu aufwändig ist und das Ergebnis voll und ganz unbefriedigend.
Schließlich hat man sich ein Tool erwartet, dass gefälligst mit 3 Mausklicks einfach DIE Lösung hat.

Wehe, es kostet etwas

Hinweise darauf, dass es eines nicht unerheblichen Zeitaufwandes bedarf, ein solches Tool zu produzieren und deshalb die Preise für Software großteils durchaus gerechtfertigt seien, werden ignoriert. Jede Antwort, die eine Software präsentieren will, die auch nur ein bisschen den Anschein erweckt, kostenpflichtig sein zu können, wird sofort mit genervtem Verweis auf die Fragestellung (“Ich hatte doch extra geschrieben, dass es kostenlos sein soll –.- -.- -.-!”) abgeschmettert.

Wehe, es ist kein Link dabei

Wenn Google mittlerweile nicht die meist aufgerufene Seite dieses Universums ist, dann fress’ ich ‘nen Besen! Trotzdem scheint es ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, das von etlichen Leuten präsentierte Tool ebenda zu finden. Deswegen werden Posts, die keinen Link enthalten, der wirklich direkt auf die Software führt, mit “kannst mal Link schicken” beantwortet. Suchmaschinen sind schließlich für Anfänger! Ein geschickter Fragesteller hat ja die komplette Forengemeinschaft, die ihm zu Diensten zu sein hat.

Gutmütigkeit? Hah! Trottel! Undank ist der Welten Lohn

Jeder, der sich in einem Ratgeberforum oder sonstwo die Mühe macht, eine Frage ausführlich, fundiert und verständlich zu verfassen, steckt ein gutes Stück Arbeit in diese Antwort. Jedenfalls wenn man bedenkt, dass diese Antwort freie Zeit ist, die für jemanden geopfert wird, den man gar nicht kennt. Und zwar nur aus gutem Willen und dem Wunsch, anderen zu helfen. Ein durchaus löbliches Verhalten, nicht wahr?
Denkste! Solche Dienste scheinen mittlerweile als Selbstverständlichkeit wahrgenommen zu werden. Genau so wie die Arbeit “ehrenamtlicher” Programmierer, die viel Freizeit investieren, um der Welt ein kleines, aber mitunter sehr nützliches Programm zur Verfügung zu stellen.
Weder die Beantworter von Fragen, noch ein Freeware-Entwickler bekommt Geld für seine Arbeit (jedenfalls im Normalfall). Beide wollen eigentlich nur anderen etwas Gutes tun. Und bekommen dafür Beleidigungen, weil sie ein Wort in der Fragestellung übersehen haben, oder das Programm auf Plattform XY mit abstruser Config den Start verweigert.
Was lernen wir daraus? Wer anderen hilft ist am Schluss der Depp! Dank ist Luxus. Das einzige, was man oft als “Dank” interpretieren kann ist, dass sich der Fragesteller nicht mehr meldet.
Dann scheint sein Ziel erfüllt. Oder aber er hat seine Suche nach dem perfekten Tool, das nichts kostet, aber natürlich ohne jeden Aufwand zu bekommen UND zu bedienen ist aufgegeben. Möge die Utopie mit dir sein, kleiner Fragen-Yuppie! Du bist der Größte, und die Welt hat dir zu dienen, das haben wir verstanden, aber bedenke, dass es Menschen gibt, die einfach aus Güte helfen, und diese Güte derart auszunutzen, sich sogar den Link zum Programm auf dem Silbertablett präsentieren zu lassen, ist nicht nur dreist, sondern schlichtweg schwach.

From → Soziales

2 Kommentare
  1. Fruechtemix permalink

    Wow, Vielen Dank für diesen echt tollen Blogeintrag. (Soll doch mal einer sagen, dass es nicht noch Leute gibt, die sich für Dinge/Texte bedanken😀 )

    Ich kann dir bei diesem Beitrag echt hundert Prozent zustimmen, wir (also unsere Gesellschaft) sind einfach viel zu undankbar und es fällt uns richtig schwer einfach mal Danke zu sagen. Deshalb setze ich mir immer als kleines Tagesziel mich bei irgendeiner Person für irgendeine Tat zu bedanken und sei es etwas allgegenwärtiges. Es ist so einfach und tut wirklich gut.

    Zwar muss ich gestehen, dass ich auch schon das ein oder andere Mal nach einem Freewareprogramm für einige Anwendungen gesucht hab und dann auch froh war, wenn es einfach zu verstehen ist und man sich nicht so stark in das Programm einarbeiten muss.
    Aber wenn ich lese, wie manchmal die Leute bepöbelt werden, die einfach nur helfen wollen, dann wird mir meist einfach nur schlecht.

    Also echt ein großes Lob für diesen Beitrag, ist wirklich toll geschrieben.

    Eine Frage hätte ich aber noch: Hast du dieses Zitat „Umsonst ist nur der Tod–und der kost’ das Leben“ dir ausgedacht oder wer hat das verfasst? Ich find den Spruch einfach nur passend.

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